Freizeitbranche - wird der Ton rauer (Facebook, Instagram & Co.)?

  • Hallo liebe DigiCamper-Community,


    gerade habe ich dieses Interview in der Reisemobil International mit Reinhard Löhner (Geschäftsführer von MORELO) gesehen:



    Wenn Reinhard Löhner schreibt "Mich nervt, dass die Menschen nicht mehr miteinander reden" könnte man das sicherlich noch dadurch ergänzen, dass die Leute sich gerade im Netz oft sehr unfreundlich verhalten. Wenn ich mir Facebook, Instagram & Co. ansehe, dann sind da teilweise Kommentare, Meinungen und Beleidigungen dabei, die unter der Gürtellinie sind. Dinge, die sicherlich niemand so direkt von Antlitz zu Antlitz kommunizieren würde, aber im Netz ist das sehr oft schon "normal". Ich persönlich mag mich bei den großen, internationalen Plattformen schon gar nicht mehr beteiligen.


    Hier in unseren Communitybereichen, ganz egal ob DigiCamper, LinerTreff oder Kastenwagenforum sind wir stets bemüht einen ordentlichen Umgangston miteinander zu pflegen und das hebt uns (damit meine ich Euch alle) deutlich von den typischen, sozialen Medien ab.


    Wie ist da Eure Meinung dazu, egal ob Endanwender, Lieferant, Hersteller, Servicewerkstatt, usw.? Stimmt es, dass die Stimmung sich verändert hat und falls ja, was sind die Gründe?


    Gerade im Bereich Camping ist ein freundliches und hilfsbereites Miteinander doch nicht nur eine gepflegte Sitte, sondern auch wichtig, wenn man Hilfe unterwegs braucht, sich austauschen möchte oder einfach nur eine gute Zeit mit netten Menschen verbringen möchte.


    Eure Marianne

  • Hallo Marianne,


    ich vermute Mal, daß der Link auf das Interview verweist. Leider kann ich den Link nicht öffnen.


    Was das Miteinander angeht, da sind die Stell- und Campingplätze eben ein Spiegel der Gesellschaft und der Kreis der Camper ist halt viel größer geworden.


    Da muß jeder an sich selber arbeiten, also die Offenheit behalten oder entwickeln. Aber auch eine Gewisse Gelassenheit ist notwendig, wenn man auf die üblichen "Problemfälle" stößt. Bisher sind uns diese zum Glück nur als Minderheit begegnet.


    Für uns ist das Grüßen, aber auch der Schnack und die Unterstützung eine Selbstverständlichkeit.


    Grüße,


    Ralf

    Grüße,


    Ralf


    Wenn man statt zur Arbeit direkt an´s Meer fährt, geht´s eigentlich.... ;)


    Unterwegs mit Frau und Hunden im Flair 880 LE.

  • Ein großes Dankeschön an Reinhard Löhner


    Lieber Herr Löhner,


    mit Ihrem bevorstehenden Ruhestand endet bei Morelo eine Ära. Ihre Leidenschaft, Ihr persönlicher Einsatz und Ihre Nähe zu Kunden, Partnern und Mitarbeitenden haben das Unternehmen geprägt wie kaum ein anderer. Morelo ohne Reinhard Löhner – das wird anders sein.


    Wir durften Sie persönlich kennenlernen und waren beeindruckt von Ihrer offenen, ehrlichen und bodenständigen Art. Dass Sie trotz Ihrer Verantwortung als Geschäftsführer stets greifbar geblieben sind, war alles andere als selbstverständlich.


    Umso mehr bedauern wir, wie sich das Verhalten mancher Kunden in den letzten Jahren verändert hat. Immer öfter scheint es, als reiche ein sechs- oder siebenstelliger Kaufpreis, um Anspruch auf die persönliche Betreuung durch die Geschäftsführung zu reklamieren – ganz nach dem Motto: „Ich habe bezahlt, also rede ich nicht mit irgendwem, sondern direkt mit dem Chef.“ Dabei wird gern vergessen, dass auch ein Geschäftsführer Aufgaben und Verantwortung hat, die über das persönliche Gespräch weit hinausgehen.


    Wir selbst haben uns nie direkt an die Geschäftsführung gewandt – weil wir wissen, dass es bei Morelo viele kompetente Ansprechpartner gibt. Und weil wir den Respekt vor der Struktur und der Leistung des gesamten Teams hochhalten.


    Wir wünschen Ihnen, Herr Löhner, von Herzen viele schöne Reisen, Gesundheit und erfüllende Momente in Ihrer neuen Lebensphase. Dass Sie der Marke als Botschafter erhalten bleiben, freut uns sehr – denn Morelo ohne Sie wäre kaum vorstellbar.


    Alles Gute und vielen Dank für alles!


    CB-CB 69

  • Was das Miteinander angeht, da sind die Stell- und Campingplätze eben ein Spiegel der Gesellschaft

    Da schließe ich mich Ralf an. Sinkende Toleranz und steigende („ich zuerst“) Anspruchshaltung machen vor Freizeit und Hobbybereich nicht halt.


    Dein Vergleich Marianne,zwischen Plattformen wie Digicamper nebst seinen Unterforen und FB & Co hinkt ein wenig. Engagiert geführte Foren haben engagierte User, weniger Anonymität und dadurch so etwas wie, ich nenne es mal eine Selbstreinigungsfunktion. FB und anderen Plattformen fehlt sowas. Dadurch ist mM der klassische Forentroll in den letzten Jahren seltener geworden. Der tummelt sich jetzt bei FB & Co ….und das ist, auf die vielen tollen Foren bezogen auch gut so.


    Grüße

    Jürgen

  • Hallo Zusammen,


    ja die Toleranz unter den Menschen, die lässt nach. Wir haben das Gefühl alles ist durch reinen Egoismus verloren gegangen.

    Es zählt nur noch, hier bin ich und alles andere Interessiert nicht.


    Mich hat Herr Löhner auch persönlich angerufen, um mir mitzuteilen, das es Ihm Probleme bereitet unser bestelltes Fahrzeug zu liefern.

    Im Gespräch haben wir über Verantwortung und Wirtschaftlichkeit gesprochen, Verantwortung für die Menschen die bei Morelo arbeiten,

    und Werkzeugkosten die bei einer Bestellung nicht darstellbar sind. Am Ende haben wir eine Lösung die für beide Seiten annehmbar ist gefunden.


    Ich persönlich würde mir trotzdem, mehr Transparenz von Morelo wünschen. So wie Herr Löhner persönlich bei Problemen Kontakt aufnimmt,

    den Kunden in der Prozess der Fertigung mehr einzubeziehen.

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für eure Beiträge – diesen können wir in vielen Punkten nur zustimmen.


    Gerade der Aspekt der „Selbstreinigungsfunktion“, wie Jürgen es genannt hat, in gut geführten Foren trifft es ziemlich gut. Auch wir bei DigiCamper sehen jeden Tag, wie wertvoll eine engagierte und konstruktive Community ist – und wie stark sich dies von der oft sehr impulsgetriebenen, teils anonymisierten Diskussion auf Plattformen wie Facebook oder Instagram unterscheidet.


    Dein Hinweis, dass der klassische Forentroll sich heute eher auf anderen Plattformen austobt, teilen wir, denn genau das spüren wir auch. Unsere Forenbereiche – sei es DigiCamper, der LinerTreff oder andere Channels – leben von einem respektvollen Austausch auf Augenhöhe. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Verdienst aller, die hier mitmachen, moderieren und mitdenken.


    In diesem Sinne: Schön, dass ihr alle dabei seid – und danke für die ehrlichen Worte.

  • Subjektiv betrachtet irgendwie ein stark in DE auftretendes Problem - gerade beim Einfahren in ein Parkhaus erlebt - Fahrzeug vor uns blockiert die Einfahrt (Schranke ist schon offen) - freundlicher Hinweis doch erst mal ein paar Meter weiter zu fahren und dann die Entscheidung bezüglich Oberdeck oder Keller zu treffen - der Fahrer (>50) ist fast explodiert.


    Skandinavien/Benelux - alles wesentlich entspannter (da ist jetzt nicht Urlaub gemeint).



    LG

    Ingo

  • Hallo in die Runde,

    da haben wir bei differenzierter Betrachtung nach meiner bescheidenen Meinung bereits drei bis vier Themen.


    Einmal der Umgang in den digitalen und sozialen Medien, der Umgang "live" sowie - als Ergänzung - die Hilfsbereitschaft.


    Beim Umgang "live" ist der Ton rauher geworden, aber nicht ganz so rauh wie auf den digitalen Kanälen.


    Und was die Hilfsbereitschaft anbelangt - die hat in dem Maße nachgelassen, wie die Menschen versuchen, mit allen Mitteln ihre vermeintlichen Rechte und Ansprüche durchzusetzen.

    Der Einsatz eines Rechstanwalts - siehe Interview - wird ja nicht nur von Kunden praktiziert, die ihre Ansprüche ohne jedes Verständnis schlicht einfordern lassen, sondern zeigt sich auch beispielsweise an Schulen, wo bei der Benotung des Nachwuchses sofort Rechtsmittel eingesetzt werden, wenn die Note nicht paßt.


    Wer früher am Straßenrand stand, bekam recht schnell Hilfe. Auch bei Regen, auch wenn man auf dem Motorrad unterwegs war. Heute brettert jeder durch - wurde bei mehreren Tests in den vergangenen Jahren bereits festgestellt.


    Insgesamt scheint das Sozialverhalten stark nachgelassen zu haben.


    Die Ursache? Wenn links und rechts die Menschen die Ellbogen auspacken, um schneller oder besser etwas zu erreichen, wird man abgehängt, wenn man es nicht selbst so handhabt.


    Eine von sicherlich mehreren Ursachen mögen auch die Online-Bewertungssysteme sein, bei denen der Einzelhandel, Ärzte, Gastronomie, Hotels etc. bewertet werden. So macht der Dienstanbieter lieber die Faust in der Tasche, als unverschämte Kunden wegzuschicken oder deren Wünsche nicht umzusetzen.


    Leider sehe ich gesellschaftlich keine Trendwende.


    Tatsächlich - vierter Aspekt - ist dies in Deutschland besonders ausgeprägt, auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass in anderen Nationen der Mensch noch mehr im Vordergrund steht und sehr viel respektvoller miteinander umgegangen wird.


    Mit Blick auf die Überschrift ("Freizeitbranche - wird der Ton rauer") sehe ich das in diesem Segment nur bestätigt. Unterwegs, in Bewegung, wie auch auf Stell-und Campingplätzen.


    Nochmals: soweit meine Meinung, ohne Anspruch auf Deutungshoheit bei diesem Thema.


    Viele Grüße

    Gregor

  • Jeder freut sich doch, wenn er Anerkennung findet und seine Ansichten auf eine inhaltsstarke Resonanz stoßen. Doch in den sozialen Medien ist das anders. Dort posten sehr viele Menschen unterschiedlichster Qualifikationen und Erfahrungen. Viele antworten ohne fundierten Inhalt. Hauptsache, die eigene Meinung ist geschrieben.


    Hinzu kommt, dass allgemein gute Umgangsformen seltener werden. Dumme Sätze in einfachster Ausdrucksform müssen plakativ und laut sein – mehr nicht. Für viele ist das auch der Grund sich aus den sozialen Medien zurückzuziehen oder gar nicht erst anzumelden.


    Gregor schreibt in seinem Beitrag allgemein von Respekt und Hilfsbereitschaft. Das kann ich nur unterstreichen und sehe bei den meisten Beiträgen eines Forums auch die grundsätzliche Bereitschaft dazu. Je breiter aber ein Forum aufgestellt wird – desto mehr unterschiedliche Ansichten und Meinungen werden vertreten. Dies führt dann zu Diskussionen, die man eigentlich nicht haben möchte.


    So hat ein Kastenwagenfahrer andere Erfahrungen als ein Linerfahrer – und ein Campingplatznutzer andere Vorstellungen als ein Safarifahrer.


    Was als gegenseitigen Befruchtung gedacht war, setzt aber Verständnis und Toleranz voraus – und die ist bei vielen (vielleicht sogar den meisten) nicht, oder nicht mehr vorhanden. Auch deshalb wird der Umgangston rauher, die Hemmschwelle geringer und die Bereitschaft seine Vorstellungen notfalls vor Gericht durchzusetzen höher. Die Medien tun ihr übriges und befeuern die Entwicklung durch Berichte von dubiosen Praktiken und dem kriminellem Verhalten einzelner. Nur bad news are good news. Hier schließt sich der Kreis zum eingangs zitierten Interview mit Herrn Löhner und dessen Erfahrungen.


    VG Wolf


  • So hat ein Kastenwagenfahrer andere Erfahrungen als ein Linerfahrer – und ein Campingplatznutzer andere Vorstellungen als ein Safarifahrer.


    Ich nehm diesen Satz mal als Bais für einen Punkt den ich hervorheben wollte in dieser Diskussion. Jeder hat ein anderes Verhalten als Camper, jeder andere Ansprüche, andere Ansätze. Aber ich habe zunehmend (bei Diskussionen in sozialen Medien) das Gefühl, das das Verständnis für andere abnimmt. Zb Die Diskussion Waschmaschine oder nicht im Womo. Die verlief zwar sehr sachlich und höflich, trotzdem kommen Äusserungen vor wie "das braucht kein Mensch"... klingt harmlos (ist es im Grunde auch) aber es zeigt, dass Menschen sich nicht mehr differenziert mir den Ansprüchen andere auseinander setzen wollen oder können. Ein weiteres Beispiel: Wenn der Kastenwagenfahrer sich fragt op der Linerfahrer noch campt. (Viele Linerfahrer sind alte Camper, viele Kastenwagenfahrer sind Neucamper...) Ich finde die Menschen sehen sich zu oft als den Nabel der Welt, nur ihre Meinung ist die Richtige. Und Meinung und Argument sind, wie vielen nicht wissen, nicht das Gleiche!

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