
Erster
Anreisetag, und was da alles passierte, das genügt für die ganze
Reise. Wegen eines starken Tiefdruckgebietes, das aus dem Golf von
Genua kam und über Österreich und Tschechien viel Wasser abregnete,
hatten wir den Start um einen Tag auf den Sonntag verschoben.
Unterwegs wollten wir Wasser tanken, aber die erste Zapfstelle war
nicht anfahrbar wegen überschwemmter Zufahrtsstraßen, und die
zweite Zapfstelle funktionierte nicht. Erst im dritten Anlauf bekamen
wir frisches Trinkwasser (Simbach am Freizeitzentrum 48.2745,
13.027). Mittlerweile hat Regen eingesetzt. An einer der ersten
Tankstellen in Österreich Diesel auffüllen. AdBlue habe sie leider
nicht. Ich stell das Fahrzeug wie gewohnt im ersten Gang ab. Dann
begebe ich mich zur Zapfsäule. Da kommt nichts, ah, Tankomat. Aber
was ist jetzt? Der Canter fängt an zu rollen, ich renne, aber die
unscheinbare Steigung ist zu steil, ich kann ihn nicht halten.
Heshmat sitzt unbeteiligt auf dem Beifahrersitz und rührt sich
nicht. Ich hechte ins Fahrerhaus und ziehe die Handbremse. Ist der
Gang rausgesprungen? Das hatte ich auch noch nicht, aber irgendwann
ist ja immer das erste Mal. Glücklicher Weise hatte die Tankstelle
eine lange Anfahrt, und hinter mir stand niemand. Und dann, beim
Einsteigen nach dem Tanken rutsche ich ab von der unteren nassen
Einstiegsstufe, und schlage mir mächtig das Scheinbein auf. Eine
Schürfwunde mit einem großen Blauen Fleck ist das Resultat, und
sehr schmerzhaft bei Berührung.
Die Weiterfahrt ging gut bis hinter
Linz, dann waren viele Straßen immer noch gesperrt wegen
Überschwemmung. Und die Straße, die wir schließlich gefahren sind,
war nur halb legal. Und wir konnten gut erkennen weshalb. An einer
Stelle war die Böschung abgerutscht, und hatte die Fahrbahn des
Gegenverkehrs verschüttet. Unterwegs sahen wir Maisfelder über
einen Meter unter Wasser, abgesoffene Betriebe darunter ein Sägewerk,
und viele Keller beim Auspumpen.
Südlich von Wien war es dann
Heshmat so unwohl, daß wir die Autobahn sofort verließen um einen
Übernachtungsplatz zu suchten. Wir landeten in bebautem Gebiet, im
Speckgürtel von Wien. An einer Kreuzung 2-spurig links abbiegend,
ich auf der rechten der beiden Spuren, um die Kurve, und hinter der
Kurve bricht das Heck aus. Es schleudert das Fahrzeug auf die linke
Spur, und zurück. Glücklicher Weise war nur ein Auto neben mir auf
der linken Spur, und das war bereits an mir vorbei, sonst hätte es
ordentlich gekracht. Ich hielt erst mal auf einem Supermarkt
Parkplatz und suchte im Internet nach einem geeigneten
Übernachtungsplatz. Leider war uns die Zufahrt zunächst durch
Verbote für Fahrzeuge größer 3,5t verwehrt, und dann standen wir
mehrmals vor gesperrten Straßen wegen Überflutung. Schließlich
wählten wir ein Brachgelände zur Übernachtung weil wir nicht
weiterkamen. Hätten wir die Autobahn nicht verlassen, dann hätten
wir den geplanten Übernachtungsplatz früher erreicht, als dieses Gelände. Und an diesem Platz rüttelten die ganze Nacht die Windböen
heftig an unserm Canter. Zwar war ich bestrebt dem Wind nicht die
Breitseite zu bieten, aber das Fahrzeug wurde dennoch ordentlich hin
und her geschaukelt.
Übernachtung nähe Guntramsdorf
48.0491, 16.3209