
Wir fahren weiter nach Tagounite, und suchen die RP1522 nach Osten. Wir nehmen die Ausfall-Straße am Kreisel bei der Tankstelle, und stecken bald in einer Sandverwehung fest. In der Ferne sehen wir Autos parallel in die selbe Richtung fahren, aber wo ist der Anfang dieser Straße?
Tagounite ist eine marokkanische Kommune in der Drâa-Tafilalet, Provinz Zagora.
Die Kommune liegt am Wadi Draa und hatte 2004 über 17000 Einwohner. Tagounite ist bekannt für seine verlassenen Kasbahs und Tighremts sowie die zahlreichen Meteoritenteile, die in der Gegend gefunden wurden. Die Kommune war bis zum Massenexodus marokkanischer Juden nach Israel ein Zentrum der marokkanischen Juden.
Wir durchkreuzen Tagounite und finden über Umwege die asphaltierte RP1522 nach Osten.
Für alle die nach uns diese Straße suchen, sie zweigt ab bei folgenden Koordinaten:
29.9819 -5.58346
Nach ~18 km biegt die RP1522 von der asphaltierten Straße nach Süden ab. Leider ist das ein Feldweg mit vielen sehr großen Steinen, es ist sehr holprig. Wir fahren bis zu einem ausgetrockneten Flußbett. Hinter der Durchquerung des Flußbetts geht es eine tief mit Sand bedeckte Böschung hoch, und wir beschließen, daß wir hier nicht weiterfahren. Wir fahren zurück aus dem Flußbett um am Ufer des ausgetrockneten Flusses unser Lager für die Wüstenübernachtung aufzuschlagen. Es wird sehr warm im Canter, und der Wind trägt von der Schattenseite viel Sandstaub in den Canter. Die Sonne verschwindet bereits am Nachmittag hinter Wolken. Dennoch ist es sehr warm. Und am Abend verschwindet die Sonne im Dunst der sich im Westen aufgebaut hat. Wie sieht eigentlich die Vorhersage für die Nacht aus? Regen in der Nacht würde zu stellenweise schlammigem Boden führen. Die Mobifunkverbindung ist hier so schlecht, daß einen Abfrage nicht möglich ist. Die Windböen zerren am Canter, ich hoffe auf den Sonnenaufgang.
29.9657 -5.589
Am Morgen ist der Himmel im Osten klar, und die aufgehende Sonne zu sehen. Nach dem Frühstück brechen wir auf, die holprige Piste zurück auf die asphaltierte Straße. Dann hätten wir gern gewußt, wohin diese asphaltierte Straße führt. Von Tagounite aus 26 km asphaltiert, und dann weiter min. 22 km (weiter sind wir nicht gefahren) als Schotterweg, der erst breit, dann immer schmaler wird, und als Feldweg endet. Am Ende machen wir einen kleinen Spaziergang. Das ganze Tal entlang vereinzelte Felder, die mit Wasser aus dem Erdreich gespeist werden. Eine große Solarzelle erzeugt den Strom für die Pumpe. Diese pumpt das Wasser in ein Speicherbecken, von welchem aus dann die Felder bewässert werden. Hier am Ende der Strecke im Tal des Jbel Bani ist eine Art Tafelberg, der ein schönes Fotomotiv abgibt. Dieser nicht asphaltierte Teil ist Wellblechpiste der übelsten Sorte. So tiefe Riefen hab ich bislang noch nirgends gesehen. Der Canter wird extrem durchgerüttelt. Leider öffnet sich dabei im Wohnaufbau ein Vorratsschrank, und ein Gurkenglas geht zu Bruch. Alles ist mit Gurkensaft getränkt, der Fußabstreifer und der Teppich im Eingangsbereich, die Falschentaschen und leider sind auch ein paar Kissen vom Bett auf den Boden gefallen, und mit Gurkenwasser getränkt worden. Schöne Sauerei. Wir kaufen in Tamegroute noch ein paar Vorräte, und fahren auf den Platz bei Timtig auf freiem Feld, auf dem wir Vorgestern übernachtet haben.
30.2901 -5.7323
Wind kommt auf, die Luft um uns herum füllt sich mit Sandstaub, so daß man die Umrisse des Gebirgszuges vor uns nicht mehr sehen kann. Der Wind wird stärker und rüttelt am Canter. Mehrere starke Böen überzeugen uns davon, diesen Platz schnell zu verlassen. Wir fahren hinunter zum Draa. Aber wir finden die Zufahrt nicht. Schließlich bemühe ich das NAVI. Das leitet uns in eine zu schmale Gasse. Ich muß rückwärts wieder raus, und zerstöre mir dabei eines unser Austellfenster im Wohnaufbau an einer 3,5 m hohen Lehmmauer. Damit bleiben wir nicht liegen – wie mit dem defekten Starter – aber wir sind nicht mehr dicht. Fahren bei Regen, oder starker Regen wird zu Wassereinbruch führen. Für mich ein rabenschwarzer Tag. Wieso mußte das passieren. Und dann finden wir wie von selbst den richtigen Zugang zu dem anvisierten Platz für die Nacht. Zu spät, das Fenster ist nun schon kaputt. Auf den Ärger brauch ich jetzt erst mal einen Kaffee.
30.31795, -5.8369
Am nächsten Morgen fahren wir erst mal zur Werkstatt von Ali Nassir. [Siehe Kapitel: Marokko2025 - Nochmal Werkstatt - Ali Nassir] Dieser schickt einen Boten mit dem kaputten Fenster los zum Teilemarkt. Ob sie das wohl wieder zusammengefügt und überlaminiert bekommen? 2 Stunden später ist der Bote zurück, mit einer neu zugeschnittenen Plexiglasscheibe (einfach, das defekte Original war eine isolierte Doppelscheibe). Fertig gebohrt, nur noch die Verriegelungen anschrauben und einsetzten, passt. Das Fenster ist wieder dicht, und wir können weiterfahren. [P.S.: Zuhause hab ich dann ein neues Originalfenster (isolierte Doppelscheibe) bestellt und eingesetzt]