
Etappe am 28. April – Schloss Villandry: Zwischen adeliger Pracht und frischer Wäsche
Ein Tag, der bereits am Morgen die Versprechen des Südens in sich trug – als wir am 28. April unseren Stellplatz in unmittelbarer Nähe des Château de Villandry erreichten, empfing uns ein Licht, das eher an Juni erinnerte als an den launischen April. Die Sonne brannte mit ungewöhnlicher Kraft vom Himmel und ließ das Thermometer auf sommerliche 25 Grad klettern – Schatten war rar, dafür die Sehnsucht nach Ruhe groß.
Das ist unser heutiger Platz:
Statt zu Ausflügen und Entdeckungen zu eilen, ließen wir die Welt draußen vorbeiziehen und widmeten uns der leisen Kunst des Innehaltens: ein bisschen Ordnung im Mobil, fliegende Lappen, summende Waschmaschinen. Die Wäsche tanzte im warmen Wind, war schneller trocken, als wir „Pastellfarbenpflegeleicht“ sagen konnten.
Der Nachmittag brachte ein unerwartetes Vergnügen: In der goldenen Sonne saßen wir mit unseren Stellplatznachbarn bei Kaffee und Reisegeschichten beisammen. Es war ein Austausch auf Augenhöhe – mal heiter, mal nachdenklich – und das Herzstück des Treffens war ohne Zweifel Elaisa, der charmante Hund unserer Nachbarn, der uns mit treuem Blick und wedelndem Schweif gleich in sein kleines Rudel aufnahm. ( den Namen hat sie aus My fair Lady)
Der nächste Morgen begann mit einer Geste, die so französisch war wie das Ziel unserer Reise selbst: Unsere Nachbarn brachten frisches Baguette vom Bäcker mit – knusprig, warm, duftend – ein Frühstück wie gemalt. Nach dem letzten Krümel ging es zu Fuß gen Schloss. Nur wenige hundert Meter trennten uns vom Eingang, und dennoch fühlte es sich an wie ein Übergang in eine andere Welt.
Schloss Villandry – ein Meisterwerk der Zeit
Der Eintritt kostete 28 Euro für zwei Personen – ein symbolischer Preis für das, was uns erwartete: ein Ensemble aus Geschichte, Architektur und gärtnerischer Poesie. Selten hat uns ein Schloss so sprachlos gemacht. Jeder Raum schien bewohnt – als wäre der Baron gerade eben nur kurz hinausgegangen. Frische Blumenarrangements füllten die Räume mit einem zarten Duft, Spiegel warfen das Licht vergangener Jahrhunderte zurück.
Die Galerie war ein weiterer Schatz: Werke des „Siglo de Oro“, meisterhaft gemalt, voller Tiefe, Licht und Religiosität. Man konnte spüren, dass Joachim Carvallo und Ann Coleman dieses Schloss nicht nur als Wohnsitz, sondern als Hort der Kunst und Kultur bewahrt haben. Und ihr Urenkel führt dieses Erbe mit bemerkenswerter Hingabe fort.
Ein Eintrag ins Gästebuch
Ein Garten wie ein Gemälde
Doch kaum meint man, das Schönste gesehen zu haben, öffnet sich der Blick auf die Gärten – eine sinnesüberflutende Komposition aus Farbe, Symmetrie und Duft. Tausende von Salatköpfen, akkurat in Reih und Glied, dazwischen kunstvoll geschnittene Buchsbaumhecken, als wären sie mit dem Lineal gezogen. Es war ein Fest für die Augen – und für die Seele.
Besonders eindrucksvoll war der dekorative Gemüsegarten, ein historisches Kunstwerk mit Wurzeln im Mittelalter und einem Konzept aus klösterlicher Symbolik und italienischer Leichtigkeit. Farbenfrohe Gemüsebeete, Brunnen, Lauben – es war, als würde man durch ein lebendiges Mandala schreiten.
Wir wanderten entlang der roten Besucherlinie, erkundeten jedes Detail, verweilten, staunten – drei Stunden vergingen wie im Flug. Villandry ist kein Ort, den man einfach „besichtigt“. Man erlebt ihn.
Kulinarischer Ausklang und stille Einkehr
Danach suchten wir ein Restaurant in zweiter Reihe – abseits der Touristenströme, dafür umso ehrlicher. Ein überraschendes Gericht – eine Art Wurst, rustikal gebraten auf einem Bett aus frischem Salat – entpuppte sich als echter Genussmoment.
Zum Abschluss des Tages besuchten wir die kleine Kirche des Ortes – bescheiden, schlicht, und dennoch voller Würde. Wie in jeder Kirche seit nunmehr fünf Jahren, zündeten wir eine Kerze für jene an, die uns auf dieser Reise nur noch im Herzen begleiten.
Zurück am Mobil legten wir die Beine hoch – die Sonne brannte inzwischen erbarmungslos, aber in der Abendluft lag jene Ruhe, die nur ein erfüllter Tag schenken kann. Und während der Wind leise durch die frisch getrocknete Bettwäsche strich, wussten wir: Villandry wird ein Ort bleiben, den wir nicht nur gesehen, sondern gespürt haben.
Morgen ziehen wir weiter – doch ein kleines Stück dieses Schlosses nehmen wir mit.