
8. Mai 25 Reisetagebuch-Eintrag: Vogesen, Hagenau und das Elsass
Mit dem Wohnmobil abseits der großen Routen durch die Vogesen zu fahren, war eine echte Wohltat. Die Straßen schmal, die Kurven sanft, und ringsum nur Wälder, Wiesen und gelegentlich ein kleines Dorf, das wie aus der Zeit gefallen schien. Es war still, friedlich – eine kleine Reise durch ein Bilderbuch.
In Hagenau fanden wir einen ruhigen Platz am Stadtrand, gut gelegen und doch fern vom Trubel. Zehn Minuten zu Fuß durch einen Tunnel, und schon waren wir mitten in der Stadt. Hagenau ist ein charmantes, beinahe romantisches Städtchen mit schöner Altstadt, gepflegten Fassaden und gemütlichem Flair. Wir besuchten die Kirche und schlenderten durch die Gassen, ehe wir uns zum Mittagessen niederließen. Elsässisch-deftig, gut gewürzt und mit einem Hauch französischer Leichtigkeit.
Am Nachmittag ging’s zurück zum Wohnmobil, wo wir bei Kaffee und Kuchen den Tag ausklingen ließen. Ein stiller Moment, das Fenster offen, die Sonne noch warm.
Am nächsten Tag führte uns der Weg weiter nach Hatten, mitten im Elsass. Diese Region hat eine besondere Atmosphäre – sie gehört zu Frankreich, doch man spürt in Architektur, Sprache und Küche, dass sie ebenso deutsche Wurzeln hat. Die Orte tragen beide Namen, viele Straßenschilder sind zweisprachig, und die Menschen sprechen oft Elsässisch – ein uriger Dialekt, irgendwo zwischen Französisch und Deutsch, wir konnten gut mit den Leuten sprechen und wurden verstanden.
In Hatten besuchten wir das Museum mit einer sehr eindrucksvollen Ausstellung zum Zweiten Weltkrieg. Direkt am Gelände konnten wir Wasser entsorgen und Frischwasser tanken – praktisch und unkompliziert. Im kleinen Bistro kamen wir ins Gespräch mit ein paar Elsässern, freundlich, interessiert und gesprächsoffen. Es ist diese Art Begegnung, die das Reisen so wertvoll macht.
Höhepunkt des Besuchs war der Großbunker „ABRI“, Teil der Maginot-Linie. Er liegt rund 50 Kilometer von Straßburg entfernt und wurde ab 1930 gebaut. Mit Platz für 220 Mann war er das größte Festungswerk in der Umgebung. Die 28 Räume – Schlafquartiere, Küche mit riesigem Herd, Maschinenräume, Krankenstation, Filteranlagen gegen Gasangriffe – sind original erhalten und restauriert. Es war eindrücklich zu sehen, wie hier einst gelebt, gewacht, gewartet wurde. Die Anlage ist ein Denkmal des Durchhaltens, ein Zeugnis des Widerstands gegen das NS-Regime, und sie bringt einem die Geschichte auf eine stille, eindringliche Weise nahe.
Der heutige französische Feiertag war überall spürbar. In jedem Dorf standen Soldaten an den Gedenkstätten, es wurde Kränze niedergelegt – ein stilles Gedenken, das uns sehr berührte.
Nun stehen wir in Mothern, direkt am Rhein, wie jedes Mal vor der Rückfahrt nach Deutschland. Ein vertrauter Ort, unser vierter Besuch hier. Ganz allein auf dem Platz – wie immer. Der Rhein fließt ruhig, ein letzter Abend in Frankreich.
Der Winter war kurz, aber ungewöhnlich kalt – sogar in Spanien. Dafür hatten wir in Frankreich einen wunderbar milden, freundlichen Frühling. Was auffiel: In den sieben Wochen unterwegs haben wir keinen einzigen Morelo oder Concorde gesehen. Zweimal sahen wir einen Flair. Es scheint, als sei Frankreich im Frühling das Reich der kleinen und mittleren Wohnmobile.
Deutsche Touristen trifft man sehr selten.
Morgen geht’s auf die Schwäbische Alb, zu unserer Freundin Conni. Dann fahren wir nach Plochingen zu unseren Freunden und treffen Alex, Panos und Danijel endlich wieder.
Da wartet schon eine Schubkarre voller Amazon Pakete auf uns, auf der langen Reise geht eben das ein oder andere Teil kaputt. Danach erwartet uns ein Sommer voller Termine – Ärzte, Morelo Werkstatt, Familie und noch mehr Freunde. Alles ist geplant, der Kalender gut gefüllt. Aber im Oktober geht es wieder los. Neues Ziel, neue Wege – und ein neues Reisetagebuch.
Ein herzlicher Dank an alle, die uns begleitet und geschrieben haben – das motiviert und macht Freude.
Bleibt gesund – und vielleicht lesen wir uns bald wieder.
Auf dem Bett, den Rhein im Blick, endet hier unser Reisetagebuch – und während ich diese Zeilen schrieb, wurde soeben ein neuer Papst gewählt.
Comments 2
Tom Manderscheid
Schöner Bericht und Fotos, danke dafür. Wenn ihr nächstes mal in der Ecke seit, dann schaut mal bei Lucien Doriath vorbei, ein Restaurant wo man auch mit mehreren Morelos (natürlich auch kleineren Fahrzeugen) problemlos stehen kann und sehr gut isst.
Tom
Michaela&Juergen
Hallo Matthias und Daniel,
vielen Dank für euer schönes Travelbook.
Es hat uns großen Spass gemacht eure Reise digital zu begleiten.
Lieben Gruß
Michaela und Jürgen